Minus x Minus = Plus ist pure Mathematik und ist in Bezug auf den Amateurfunkdienst eine Binsenweisheit. Reflektiert man die Editorials der vergangenen Jahre im FA, ist der Tenor eher negativ - wenigstens im Hinblick auf die klubinterne Entwicklung unseres Hobbys, im Hinblick auf die Zukunft des Amateurfunks im Konzert der drahtlosen Giganten namens GSM, UMTS, WLAN, Radar, Galileo usw. Kann man aus all diesen negativen Rahmenbedingungen etwas Positives herauslesen?
Man kann.
Der Amateurfunk war von jeher ein Sammelplatz organisierter Solisten, von Eigenbrötlern, Bastlern und Friemlern, die im stillen Kämmerlein Dinge erdachten, die, an das Licht der hochfrequenten Öffentlichkeit gebracht, im technischen und gesellschaftlichen Sinne auch richtungsweisende Bewegungen initiierten. Und da gab es Zeiten, in denen sich der Amateurfunk im Bereich Forschung und Entwicklung durchaus mit den kommerziellen Anwendern auf Augenhöhe befand. Manch renommierter Entwickler der deutschen Elektronikindustrie ist damals aus den Reihen besagter Bastler und Friemler hervorgegangen. Diese Zeiten sind, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, vorbei. Unwiderruflich.
Dem mag man nachtrauern, aber das Rad der Geschichte lässt sich eben nicht zurückdrehen. Um es auf den Punkt zu bringen: Wir sind (wieder!) eine Gruppe organisierter Solisten, von Eigenbrötlern, Bastlern und Friemlern, die im stillen Kämmerlein etwas zimmern. Jetzt zwar mit Voice-over-IP, WSJT, Windows und DSP. Funkamateure erdenken sinnhafte Baugruppen, die nun nicht mehr mit einer ECC88 oder einem AC125 arbeiten, sondern mit den Produkten aus dem Hause ATMEL oder Mikrochip und die von „selbst gemachter“ Software angetrieben werden. Das ist schon fast State-of-the-Art - aber eben nur fast. Wir können uns einfach nicht mehr mit den drahtlosen Giganten der Elektronikindustrie messen. Das kann man als negativ einordnen, das kann man gelassen zur Kenntnis nehmen, ignorieren kann man es nicht. Aber viele von uns haben sich in die Auffassung, dass das etwas Negatives sein muss, geradezu verrannt. Das ist meiner Meinung nach falsch.
Was nämlich ist an dieser Entwicklung positiv? Wir kommen trotz Einsteigerlizenzen mit Minimalanforderungen wieder zurück zu den Wurzeln des Amateurfunks. Funkamateure wie Michael, DB6NT, Wolfgang, DJ8ES, Bernd, DK3WX, Peter, DL2FI, James, G3RUH u.v.m. haben dem Amateurfunk im wahrsten Sinne des Wortes wieder den Lötkolben in die Hand gedrückt. Wir dürfen weiterhin mit selbst gebauten Geräten Funkbetrieb machen, wir können dafür selbst gebaute und manchmal selbst entwickelte Antennen benutzen. Das i s t positiv. Auch wenn es mit GSM meist besser, schneller, höher oder weiter geht.
Der Wermutstropfen, den ich in dieser Entwicklung gefunden habe, ist die sinkende Anzahl der HF-infizierten Bastler und Friemler. Wir leben zwar in einer technisierten Welt, das heißt aber merkwürdigerweise nicht, dass immer mehr Menschen technisch interessiert sind. Ein zusätzliches Icon auf den Desktop zu ziehen macht keinen technisch interessierten Menschen aus. Aber einen USB-Adapter nebst Interface zu löten, der mit der passenden Software den Antennenrotor steuert, das machen nur wirklich technisch interessierte Bastler und Friemler.
Auf Wiederlöten und auf Wiederbasteln!
Peter John, DL7YS